1. Meditation

24Okt07

Woran man zweifeln kann

Im gestandenen 45.Lebensjahr fühlte sich René Descartes endlich dazu berufen und fertig, die große Bürde seines methodischen (und radikalen) Zweifels auf sich zu nehmen, sich zurück zu ziehen um zu meditieren. Durch diesen tatsächlich sehr radikalen Zweifel möchte er die Grundpfeiler der Wissenschaft und Philosophie neu aufbauen. Wie er schreibt, hat er schon zu oft (auch in jungen Jahren) die ein oder andere falsche Annahme ohne Kritik hingenommen und darauf weiter Annahmen aufgebaut. Doch nun, wo er dies reife Alter auf das kein geeigneteres folgen würde erreicht hat, traut er sich diese „Schuld“ auf sich zu nehmen.

Dieser radikale methodische Zweifel besteht darin, wie der Name schon sagt, alles anzuzweifeln. Da es aberschier unmöglich scheint jedes einzelne anzuzweifeln möchte er an das Fundament. Denn wenn dieses fällt, stürzt alles wie ein Kartenhaus zusammen.

Denn, und so leiter er auch schon seine erste von drei Arten des Zweifels ein, alles was er bis dato als ganz wahr gelten ließ, waren beeinflusst oder Sinneseindrücke selbst. Diese jedoch täuschen manchmal. Und bei diesem radikalen Zweifel muss alles als falsch gewertet werden, was auch nur den Anschein von Falschheit blicken lässt bzw. was einen einmal täuscht, dem darf man nichtmehr vertraun. So gelten erstmal alle Sinneseindrücke als unwahr, wie es auch schon in der Antike gehandhabt wurde.

Der nächste Schritt jedoch, geht jedoch weiter und fragt, wie wir zwischen träumen und wachen unterscheiden können. So kann es sein, dass er zwar glaubt die Hand tatsächlich zu bewegen, sie sich jedoch nur in seinem Geiste, und nicht real bewegt („hallo Matrix“).

Obschon wir uns keiner Materie und der Realität sicher sein können, so wollen wir doch einen letzten Unterschlupf bei der formalen Logik, wie der Mathematik, finden. Zwei und drei ergeben fünf, dies scheint uns allen unbezweifelbar. Descartes, einer der größten Mathematiker seiner Zeit, wirft diese aber auch weg. Mit der schlichten Begründung, er könne sich irren, da er sich auch schon in anderen Teilbereichen geirrt habe. Das würde „Gott“ jedoch das Attribut des Allgütig entfernen. Auch kennt er Atheisten und meint somit, Gott könne für diese Untersuchung erstmal bei Seite gelassen werden, was ein Wagnis besonderer größe zu seiner Zeit war. Ist doch Galileo Galilei, kurz vor der Veröffentlichung der Meditationes, wegen seiner dummen götterlässternden Idee, die Erde sei im Mittelpunkt des Universums, dem Tode nur sehr knapp entronnen.
Anstelle von Gott, führt er den „bösen Dämon“ ein, der in unentwegt täuschen möchte. So auch in der Mathematik.

Descartes erste Meditation präsentiert den methodischen Zweifel. Es ist ein so radikaler Zweifel, dass allein die Zweifelsmöglichkeit schon herangenommen wird, um das Bezweifelte zu verwerfen. All dies führt schlussendlich zum Subjekt der Person Descartes, in der er das ganze Werk, wie schon Augustinus seine Confessiones, verfasste.
Descartes schrieb sein Werk in der Zurückgezogenheit, die seiner Meinung nach zur Wahrheit führe. Im Gegenteil dazu steht die heutige (Geistes-) Wissenschaft (und Aristoteles) die glaubt im gemeinsamen Konsens bzw. durch Arbeitsteilung effizienter arbeiten zu können.
Descartes legte sich schon früher eine Methode zurecht, mit der er auch nach dem philosophieren „bei der Tür raus fand“, die er die provisorische Moral nannte. Diese Moral gilt nur kurzzeitig während des philosophierens und soll ihm die nötige Freiheit geben (ohne den vorgefertigten und vielleicht verfälschten Moralvorstellungen der Gesellschaft) zur Wahrheit zu kommen.


Die Nachkriegszeit des zweiten Weltkrieges musste eine sehr fruchtbare sein. In Großbritanien wurde die Bildung, welche als wirtschaftlicher Stabilisator galt, angekurbelt, so das auch die Arbeiterklassen auf die Uni konnte. Durch diese Öffnung vermischten sich Arbeiterklasse mit der damaligen Elite als auch ausländische (aus den Kolonien) mit innländischen Studenten. Die Literaturerziehung, „English Studies„,  war schon früher ein zentrales Fach und sollte nun im Sprachenwirrwarr (verschiedene Dialekte aber auch verschiedene Sprachen aus den Kolonien) eine Einheit bilden. Die englische Sprache war und ist sehr wichtig für die Englische Kultur.

Hieraus entstand, stark unter dem Einfluß des close reading´s, die klassischen Cultural Studies. Close Readig ist eine Lesetechnik, die besonderen Wert auf genaues Erfassen des Textes Wert legt. So schaffte (laut wikipedia) Jaques Derrida eine Interpretation des Wortes „yes“ in James Joyce´s Ulysses eine 80-seitige Abhandlung.  Aber das nur am Rande bemerkt.

Als „Gründungsväter“ der CS stehen

  • Richard Hoggarts (The Uses of Literacy, 1957), welcher stark auf die „lived expirence“ Wert legt und auch die CCCS gründete;
  • Raymond Williams (Culture and Society, 1958; The Long Revolution, 1961), welcher den schlagkräftigen Satz „culture is the hole way of live“ als Definition seiner Auffassung des Kulturbegriffs einführte;
  • E. P. Thompson (The Making of the English Working Class, 1961), welcher Kultur als Klassenkampf wahrnimmt: „culture is a whole way of struggle

Die CCCS (Centre for Contemporary Cultural Studies) wurde 1964 in Birmingham von Hoggarts gegründet. 1968 übernahm Stuart Hall den Rektorenplatz ein. In den 80er Jahren wurde der Zweig mit der Soziologie zusammen gelegt, welches unter anderem die Neuorientierung der Wissenschaft (in Richtung Gesellschaft) dokumentiert. 2002 wurde sie aufgrund schlechter Bewertungen bei einer Generalüberprüfung (welche ungeeignet für diese Studienrichtung ist, zB. sollten Journals überprüft werden, die es aber aufgrund der interdisziplinärität nicht gab) geschlossen.

Die CCCS deckte die mugging crisis auf, bei welcher die Polizei bewusste Panikmache wegen Taschendieben verursachte.
Zwar war sie immer stark Links eingestellt, folgte aber trotzdem nicht der Sowjetunion in den (Schein-) Marxismus, sondern dem Neo-Marxismus.

Seit 1900 gibt es auch in den USA eine Cultural Studies -American CS-, welche sozuasgen die direkte Nachfolge der british CS ist.


Nachdem schon Aristoteles die verrückte Idee einer runden Erdkugel (eckig wird sie wohl nicht sein) hatte und viele Wissenschaftler heute noch(!) felsenfest von dieser Theorie überzeugt sind, die Erdee sei rund, lehrt uns Thomas L. Friedman endlich wieder Vernunft: Die Welt ist flach: Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts heisst sein Buch und beschreibt 3 Stufen der Globalisation:

Globalisation 1.0:
1492 – 18. Jahrhundert Die Zeit der Kolonisation von Nationalstaaten. Laut Friedman schrumpfte die Welt von „Größe Groß“ zur „Größe Medium“. Ich nehm mal an, er redet nicht von McDonalds und meint nicht die physische Welt sondern die imaginierte.

Globalisation 2.0:
18.Jahrhundert – max. 2000 Der Kampf um die billigen Arbeitskräfte und den Absatzmarkt beginnt.

Globalisation 3.0:
2000 bis heute
Globalisation des Individuums.  Jeder kann in Kontakt mit jedem treten. Wir kommunizieren mit Leuten die wir nicht kennen usw. Hier unterscheidet er 10 „Flachmacher“(levelers):

1. Fall der Mauer (1989)
2. Einführung des Netscape, Internet für alle Zugänglich
3. Workflow-Revolution (Kompatibilität steigt, siehe Acrobat Reader)
4. Open-sourcing
5. Outsourcing
6. Offshoring
7. Supply-chaining (Logistikkette, siehe Wal-Mart)
8. Insourcing (siehe UPS, FedEx)
9. In-forming(Informationen für jeden zugänglich)
10. Wireless

So viel zum Globalisierungs-Priester -grausig!


Mich von meiner eigentlichen Zweitstudienrichtung „Internationale Entwicklung“ abwendend, gehe ich dieses (und hoffentlich auch die folgenden) Semester der Kulturwissenschaft nach. Oder sind es die Kulturwissenschaften? Oder kann es überhaupt Wissenschaft sein? Ist es nicht vielmehr eine Analyse, also Cultural Analysis wie Mieke Bal drängt.

Also erstmal, was bedeutet überhaupt der Begriff Kultur?
Kultur und ZivilisationKultur kommt aus dem lateinischen coler, (be)bauen -Feld bebauen. Hier zeigt sich schon die Diskrepanz zwischen der Kultur und Natur. So ist Kultur etwas künstliches, unnatürliches, vom Menschen geschaffenes. Der Ausdruck jemand sei „unkultiviert“ ist somit schlichtweg unmöglich, da jeder Mensch unweigerlich auch eine Kultur haben muss.
In der englischen Sprache wird Kultur aber oft auch mit Zivilisation (lat. civis = Bürger) übersetzt, was im deutschen Sprachraum allerdings zu Verwirrung führen kann. Kultur wird subjektiv und in der deutschen Moderne positiv aufgefasst, wobei Zivilisation heute einen objektiven und negativen Unterton hat (aufgrund der „zivilisierung“ in der Zeit der Kolonisation?).

Doch es gibt natürlich viele verschiedene Definitionen vom Kulturbegriff:

Raymond Williams übernimmt seine Definition von T.S. Eliot (Notes Towards the Definition of Culture, 1948) welcher die Kultur als „a whole way of life“ beschreibt -wobei Eliot dies an die Elite der Gesellschaft bindet, Williams hingegen dehnt den Begriff soweit aus, dass auch Minderheiten eingenommen werden (siehe textem).

Clifford Geertz zieht mit Max Weber eine gigantische Decke über die Menschheit. Kulturen definieren sich gegenseitig und schaffen somit ein Geflecht, dass von sich gegenseitig abhängig ist. Ist mir in der Nacht am Kopf kalt, ziehe ich die Decke hoch -und schwupps sind es meine Füße, die zum zittern beginnen. -oder so ähnlich. Clifford sieht die Kultur rein linguistisch (semiotisch). Der Mensch schafft zwar sein eigenes Netz (seine eigene Kultur) kann es aber nicht bewusst verändern.

Dann gibt es noch Georg Simmel, S.P. Huntington, Norbert Elias, Kant usw.

T.S. Eliot sieht 3 Ebenen der Kultur:

  1. der Einzelmensch
  2. die Gruppe
  3. die Gesamtgesellschaft (National, heute: Global)

Alle drei sind aufeinander Bezogen und somit nicht statisch. Das Problem ist, dass wir meistens homogenisieren: „die Amerikaner“, die Deutschen“, usw.Pierre Bourdieu

Pierre Bourdieu führt den Begriff des „symbolischen Feldes“ ein. Jede Kultur hat ihr eigenes geschlossenes Feld, welches nach eigenen Gesetzen funktioniert.

Hier geht Müller-Funk weiter und unterscheidet zwischen normativen und analytischen Kulturen. Die normativen stehen immer in Relation zu einer anderen (vergleich dazu M. Foucaults Machtbegriff)
Zentrum <-> Peripherie
männlich <-> weiblich
arm <-> reich

Weiters unterscheidet Müller-Funk zwischen der Kultur als Produkt (Spitzenprodukte der Kunst) und als Prozess (ist im ständigen Wandel). Hier führt er als Beispiel das Nationalmuseum an, welches versucht eine Sammlung der eigenen Top-Kultus-Gegenstände zu sammeln, ein Archiv an Artefakten. Dies sei aber nicht möglich wenn die Kultur im ständigen wandel ist.

Schließlich kommen wir aber zu der Frage, wer denn nun definieren darf, was die Kultur ist. Die Antwort muss lauten:

„Derjenige, der die Macht zur Definition hat.“ Wo wir wieder bei Focault wären.


Es hat schon etwas demotivierend niederschmetterndes wenn der Vortragende (Alfred Pfabigan) seine LV damit beginnt, er habe sich in den letzten Jahr wohl geirrt und werde dies ausbessern. Auch auf seiner Internetseite stehen Worte die so ein bisschen eine liebe zum „falsch machen“ zu sein scheinen:

“Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.” (Samuel Beckett: Worstward Ho)

Es ist auf keinen Fall falsch, einen Fehler einzusehen. Nein, es ist sogar sehr mutig (vor allem als Vortragender). Aber es hat etwas komisches, bei mir steigert es die Kritikbereitschaft -und das ist gut so, vielleicht auch Beabsichtigt?

Den Fehler den er machte, oder gemacht zu haben meint, ist die unzureichend durchdachte Verbindung der Wörter Globalisierung und Moral. Hinter beiden Wörtern steht eine große Diskusion dahinter. Doch beide auf verschiedenen Ebenen der Diskusion. Was ist Globalisierung? Was ist Moral? „Globalisierung“ kann kulturell bzw. soziologisch und ökonomisch begriffen werden. Die Definition der „Moral“ ist kulturell bzw. soziologisch Abhängig. Somit treffen sich diese beiden Themen auf komplett verschiedenen Ebenen der Diskusion und können somit, nicht so einfach in einem Titel genannt werden, ohne eine gewisse Unvollkommenheit im Sinne zu haben.

Pfabigan versucht die Globalisierung, dem schon viele eingespielte Narrative zugrunde liegen, als eine aktuelle Selbstdefinition der westlichen Gesellschaft darzustellen, die seit der „Moderne“ sich und die Vergangenheit als erster selbst benannte und auch weiterhin zu benennen versucht. Der Einspruch eines Studenten, auch die Moderne habe eine Postmoderne und wurde erst später definiert, lässt er im Raum stehen.

Als lokale Beispiele der Globalisierung führt Pfabigan ein Gemälde im Wiener Belvedere an, welches eine ältere Bäuerin darstellt, welche mit einem großen Sack Zwiebeln zum Markt unterwegs ist. Diese 15kg Zwiebel regelmäßig in die Stadt zu tragen war rentabel bis die Eisenbahn schnell und frisch Gemüse aus Ungarn brachte. Der Preis sank und was von der lieben Zwiebelfrau übrig bleibt, ist das leidvoll schöne Gemälde im Belvedere.

Dass Definitionen Falsch sein können aber deswegen moralisch nicht schlecht sind, sieht man am Beispiel der Behandlung der Tuberkulosekranken im 19.Jahrhundert in Wien. Die Tuberkulose, eine allgemein als eine „Arbeiter-Krankheit“ angesehene Seuche, war laut Sozialdemokraten eine Folge der schlechten Wohnumstände, und führte somit zur Erbauung schöner (nach dem Prinzip von „Licht, Luft, Sonne“) und erschwinglicher Gemeindebauten, die die Seuche zwar nicht direkt beseitigten, jedoch dazu beitrug.
Pfabigan wollte hier, so meine ich, eine Analogie zur Definition von Globalisierung machen. Auch wenn Globalisierung falsch verstanden bzw. definiert werden sollte, kann sie zum „guten“ führen.

So nimmt er Beispielsweise Nico Stehr´s (Die Moralisierung der Märkte) These (Zeit-Rezension), die ökonomische Welt werde moralischer und bringt den Fordismus („Jedem Arbeiter sein Auto und sein Häusschen“) als Beispiel, in welchem der Arbeiter gleichzeitig Produzent und Konsument ist und somit Marx´s Kritik der Entfremdung nicht zutreffen soll.
Dem Konzept des Fordismus, der Arbeiter wolle nur das was er brauche, wird der Neffe Sigmund Freuds gegenübergesetzt, der nach seiner Emigration in die USA sich der Werbung widmete. Die Werbung, welche das Wunschpotenzial, welches nach S. Freud unermäßlich ist, anregt.


Enttäuschung

08Okt07

Meine zweite Vorlesung in diesem Semester musste leider eine kleine verwirrte Enttäuschung sein. Von dem Titel Medien und Erkenntnis – Modelle und Modellexperimente: Zur Vorgeschichte der Computersimulation war ich scheinbar so sehr von dem Wort „Computersimulation“ fasziniert, dass ich einfach für das Wort „Vorgeschichte“ drüber gelesen habe, welches ja andeuten würde dass es nicht um jene geht. Nichts desto trotz, war zumindest die zweite VO schon besser. Die erste, die hier beschreiben möchte, war mir dann doch auch recht konfus.

Was Modelle und Experimente mit der Philosophie überhaupt zu tun haben, das belächelte der Vortragende (Thomas Brandstetter) selbst am Anfang. Doch kommt er dann doch immer wieder auf die Verknüpfungen zu sprechen. Zum Beispiel war Wittgenstein diplomierter Flugzeugingenieur und musste viel mit Modellen und deren Umsetzung arbeiten, was auch auf seine Thesen Einfluss nahm.

Brandstetter definiert nach Maxwell die zwei Begriffe des Modellbegriffs, welches die Theorie, und das Modellexperiement, welches die Anwendung darstellt. Das Modell stellte schon in Frühzeiten die Gebirgsverschiebungen anhand von Lehmschichten dar. Das Modell hat reichlich wenig mit dem Original zu tun (zB. anderes Material, Wärme) und doch verbildlicht es die Verschiebung der Platten korrekt.

-Philosophie als Metaphysik

Wolfgang Singer meint, die Simulation soll komplizierte wissenschaftliche Fakten an den Mann bringen.

-Philosophie als Resource der Naturwissenschaft

Michael Friedmann (Dynamics of Reason) meint: „Die Wissenschaft braucht die Philosophie in gewissen Situationen der Krisen“. Es soll aber keine einseitige Kommunikation sein, sondern ein Austausch, da beide aufeinander Basieren.

-historische Epistemelogie (Analyse)

1. Erkennen ist ein Prozess, es gibt kein apriori Subjekt

2. die Naturwissenschaft ist technisch und kulturell Implementiert

Gaston Bachelard (Philosophie des Nein) forder eine offene Philosophie, die sich in ihren Methoden an die der Naturwissenschaften hällt. →“Wie entstehen Theorien?“