Mich von meiner eigentlichen Zweitstudienrichtung „Internationale Entwicklung“ abwendend, gehe ich dieses (und hoffentlich auch die folgenden) Semester der Kulturwissenschaft nach. Oder sind es die Kulturwissenschaften? Oder kann es überhaupt Wissenschaft sein? Ist es nicht vielmehr eine Analyse, also Cultural Analysis wie Mieke Bal drängt.

Also erstmal, was bedeutet überhaupt der Begriff Kultur?
Kultur und ZivilisationKultur kommt aus dem lateinischen coler, (be)bauen -Feld bebauen. Hier zeigt sich schon die Diskrepanz zwischen der Kultur und Natur. So ist Kultur etwas künstliches, unnatürliches, vom Menschen geschaffenes. Der Ausdruck jemand sei „unkultiviert“ ist somit schlichtweg unmöglich, da jeder Mensch unweigerlich auch eine Kultur haben muss.
In der englischen Sprache wird Kultur aber oft auch mit Zivilisation (lat. civis = Bürger) übersetzt, was im deutschen Sprachraum allerdings zu Verwirrung führen kann. Kultur wird subjektiv und in der deutschen Moderne positiv aufgefasst, wobei Zivilisation heute einen objektiven und negativen Unterton hat (aufgrund der „zivilisierung“ in der Zeit der Kolonisation?).

Doch es gibt natürlich viele verschiedene Definitionen vom Kulturbegriff:

Raymond Williams übernimmt seine Definition von T.S. Eliot (Notes Towards the Definition of Culture, 1948) welcher die Kultur als „a whole way of life“ beschreibt -wobei Eliot dies an die Elite der Gesellschaft bindet, Williams hingegen dehnt den Begriff soweit aus, dass auch Minderheiten eingenommen werden (siehe textem).

Clifford Geertz zieht mit Max Weber eine gigantische Decke über die Menschheit. Kulturen definieren sich gegenseitig und schaffen somit ein Geflecht, dass von sich gegenseitig abhängig ist. Ist mir in der Nacht am Kopf kalt, ziehe ich die Decke hoch -und schwupps sind es meine Füße, die zum zittern beginnen. -oder so ähnlich. Clifford sieht die Kultur rein linguistisch (semiotisch). Der Mensch schafft zwar sein eigenes Netz (seine eigene Kultur) kann es aber nicht bewusst verändern.

Dann gibt es noch Georg Simmel, S.P. Huntington, Norbert Elias, Kant usw.

T.S. Eliot sieht 3 Ebenen der Kultur:

  1. der Einzelmensch
  2. die Gruppe
  3. die Gesamtgesellschaft (National, heute: Global)

Alle drei sind aufeinander Bezogen und somit nicht statisch. Das Problem ist, dass wir meistens homogenisieren: „die Amerikaner“, die Deutschen“, usw.Pierre Bourdieu

Pierre Bourdieu führt den Begriff des „symbolischen Feldes“ ein. Jede Kultur hat ihr eigenes geschlossenes Feld, welches nach eigenen Gesetzen funktioniert.

Hier geht Müller-Funk weiter und unterscheidet zwischen normativen und analytischen Kulturen. Die normativen stehen immer in Relation zu einer anderen (vergleich dazu M. Foucaults Machtbegriff)
Zentrum <-> Peripherie
männlich <-> weiblich
arm <-> reich

Weiters unterscheidet Müller-Funk zwischen der Kultur als Produkt (Spitzenprodukte der Kunst) und als Prozess (ist im ständigen Wandel). Hier führt er als Beispiel das Nationalmuseum an, welches versucht eine Sammlung der eigenen Top-Kultus-Gegenstände zu sammeln, ein Archiv an Artefakten. Dies sei aber nicht möglich wenn die Kultur im ständigen wandel ist.

Schließlich kommen wir aber zu der Frage, wer denn nun definieren darf, was die Kultur ist. Die Antwort muss lauten:

„Derjenige, der die Macht zur Definition hat.“ Wo wir wieder bei Focault wären.



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