1. Meditation
Woran man zweifeln kann
Im gestandenen 45.Lebensjahr fühlte sich René Descartes endlich dazu berufen und fertig, die große Bürde seines methodischen (und radikalen) Zweifels auf sich zu nehmen, sich zurück zu ziehen um zu meditieren. Durch diesen tatsächlich sehr radikalen Zweifel möchte er die Grundpfeiler der Wissenschaft und Philosophie neu aufbauen. Wie er schreibt, hat er schon zu oft (auch in jungen Jahren) die ein oder andere falsche Annahme ohne Kritik hingenommen und darauf weiter Annahmen aufgebaut. Doch nun, wo er dies reife Alter auf das kein geeigneteres folgen würde erreicht hat, traut er sich diese „Schuld“ auf sich zu nehmen.
Dieser radikale methodische Zweifel besteht darin, wie der Name schon sagt, alles anzuzweifeln. Da es aberschier unmöglich scheint jedes einzelne anzuzweifeln möchte er an das Fundament. Denn wenn dieses fällt, stürzt alles wie ein Kartenhaus zusammen.
Denn, und so leiter er auch schon seine erste von drei Arten des Zweifels ein, alles was er bis dato als ganz wahr gelten ließ, waren beeinflusst oder Sinneseindrücke selbst. Diese jedoch täuschen manchmal. Und bei diesem radikalen Zweifel muss alles als falsch gewertet werden, was auch nur den Anschein von Falschheit blicken lässt bzw. was einen einmal täuscht, dem darf man nichtmehr vertraun. So gelten erstmal alle Sinneseindrücke als unwahr, wie es auch schon in der Antike gehandhabt wurde.
Der nächste Schritt jedoch, geht jedoch weiter und fragt, wie wir zwischen träumen und wachen unterscheiden können. So kann es sein, dass er zwar glaubt die Hand tatsächlich zu bewegen, sie sich jedoch nur in seinem Geiste, und nicht real bewegt („hallo Matrix“).
Obschon wir uns keiner Materie und der Realität sicher sein können, so wollen wir doch einen letzten Unterschlupf bei der formalen Logik, wie der Mathematik, finden. Zwei und drei ergeben fünf, dies scheint uns allen unbezweifelbar. Descartes, einer der größten Mathematiker seiner Zeit, wirft diese aber auch weg. Mit der schlichten Begründung, er könne sich irren, da er sich auch schon in anderen Teilbereichen geirrt habe. Das würde „Gott“ jedoch das Attribut des Allgütig entfernen. Auch kennt er Atheisten und meint somit, Gott könne für diese Untersuchung erstmal bei Seite gelassen werden, was ein Wagnis besonderer größe zu seiner Zeit war. Ist doch Galileo Galilei, kurz vor der Veröffentlichung der Meditationes, wegen seiner dummen götterlässternden Idee, die Erde sei im Mittelpunkt des Universums, dem Tode nur sehr knapp entronnen.
Anstelle von Gott, führt er den „bösen Dämon“ ein, der in unentwegt täuschen möchte. So auch in der Mathematik.
Descartes erste Meditation präsentiert den methodischen Zweifel. Es ist ein so radikaler Zweifel, dass allein die Zweifelsmöglichkeit schon herangenommen wird, um das Bezweifelte zu verwerfen. All dies führt schlussendlich zum Subjekt der Person Descartes, in der er das ganze Werk, wie schon Augustinus seine Confessiones, verfasste.
Descartes schrieb sein Werk in der Zurückgezogenheit, die seiner Meinung nach zur Wahrheit führe. Im Gegenteil dazu steht die heutige (Geistes-) Wissenschaft (und Aristoteles) die glaubt im gemeinsamen Konsens bzw. durch Arbeitsteilung effizienter arbeiten zu können.
Descartes legte sich schon früher eine Methode zurecht, mit der er auch nach dem philosophieren „bei der Tür raus fand“, die er die provisorische Moral nannte. Diese Moral gilt nur kurzzeitig während des philosophierens und soll ihm die nötige Freiheit geben (ohne den vorgefertigten und vielleicht verfälschten Moralvorstellungen der Gesellschaft) zur Wahrheit zu kommen.
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